JASON

BOILER
(vocals)

KLAUS

BERGMAIER
(organ, bass, backing vocals)

RENÉ

GALIK
(guitar)

GERHARD

TSCHERWIZEK
(drums)


HOME

News

Konzerttermine

Veranstalter- & Presse Service

mp3-Soundfiles

Videoclips

Konzertfotos

Aktuelles Repertoire

Pressestimmen

Gästebuch

facebook & myspace

Links

Newsletter

Impressum & Kontakt

 
 
 

 

 

 

PARIS, September 2005 –                            

Auf den Spuren von Jim Morrison

Illustrierter Bericht von Jason “JIM“ Boiler

 

 

 

Vorwort

Offen gestanden bin ich bis September 2005 noch nie in Paris gewesen.

Der Umstand, dass ich bis dato noch nie die Hauptstadt der „Grande Nation“ mit ihrem so einzigartigem Flair, ihren unzähligen imposanten Bauwerken und der für Europa und den Rest der Welt so prägenden Geschichte besucht hatte, war mir schon immer ein Dorn im Auge. Dass Jim Morrison die letzten Tage seines Lebens in Paris verbrachte und seine letzte Ruhestätte dort gefunden hat, war natürlich ebenso ein Grund, dass ich mich spontan für diesen kurzen Paris-Trip entschied. Warum ich mich als Jim Morrison-Interpret erst jetzt auf Jims Spuren begebe und das nicht an seinem Todestag, werden sich an dieser Stelle viele zu Recht fragen: Nun, den 3. Juli habe ich immer schon wegen der Hektik und dem Trubel an Jims Grab ausgeschlossen. Das ist eben nicht meines. Ich wollte so lange warten, bis die Zeit für mich reif war, diesen Schritt zu tun. Manche Dinge im Leben dauern eben etwas länger, dafür erlebt man sie dann meistens um so intensiver.

 

 

Dienstag, 27. September 2005

 

Es ist ein herrlich-sonniger, windstiller Frühherbstmorgen, als ich mich gegen 9 Uhr vom Hotel unweit der Métrostation Père Lachaise auf den Weg zu Jims Grab machte - in der Hoffnung, es noch relativ menschenleer anzutreffen. Ich liebe diese speziellen Herbstage, nicht zu warm und nicht zu kalt, in denen sich die Natur noch einmal in den buntesten und prächtigsten Farben zeigt, bevor ihr Lebenswille schwindet und der Winter sie kahl und leblos erscheinen lässt.

Ob Jim sich auch noch einmal so ein Erblühen vor seinem Tode erhoffte, nachdem er schon ziemlich ausgebrannt und vom Alkoholmissbrauch sichtlich gezeichnet hier ankam? Außer Zweifel steht, dass er den weiten Weg hierher nach Paris kam, um ausreichend Abstand von dem ganzen Trubel, der in Amerika um seine Person herrschte, zu haben und um hier wieder zu sich selbst finden zu können. War er aber nur deswegen nach Paris geflüchtet oder wollte er nach einer gewissen Phase der Selbstfindung weitere Zukunftspläne mit den Doors schmieden?

Hatte er definitiv vor, irgendwann wieder gestärkt nach L.A. zurückzukehren, um mit den restlichen Doors weiter zu touren und weitere Alben zu produzieren oder wollte er sich hier für den Rest seines Lebens niederlassen, nie mehr wieder Musik machen? Und warum sollte er gewollt in seinen frühen Tod steuern, ausgerechnet hier in dieser Stadt voll Leben – im Paris der Künstler, seinem selbst gewählten Domizil?

 

Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Jim wirklich so früh sterben wollte, trotz der immer wieder kehrenden Todessehnsucht in seinen Lyrics. All diese offenen Fragen gehen mir durch den Kopf, während ich von weitem auf die Mauern des Cimetière du Père Lachaise zu meiner Rechten blicke und die Stufen in die Métro hinabsteige.

 

Gelesen hatte ich schon so ziemlich alles über Jims letzte Tage in Paris. Jetzt war es endlich an der Zeit, mir selber Gewissheit zu verschaffen, für mich selber Antworten und Erklärungen darauf zu finden – egal, ob sie im Endeffekt nach außen hin falsch oder richtig gedeutet werden. Für mich alleine mussten sie einen nachvollziehbaren Sinn ergeben, um meine dahingehende Erfahrung irgendwie in meine Performance als Jim Morrison-Interpret einbringen zu können.


Mit einem Exemplar von Rainer Moddemanns englischer Ausgabe des
Jim Morrison Complete Paris Guide in den Händen (Moddemann hat mit dem Paris Guide wirklich ganze Arbeit geleistet – den kann ich nur wärmstens weiter empfehlen!) fahren wir wie im Büchlein beschrieben von der Métrostation Père Lachaise zur nächsten Haltestelle Philippe Auguste.

 

Von dort nehmen wir den kürzesten Weg zu Jims Grab. Kommt man aus der Métrostation, sieht man zur Rechten die Bar Le celtic“. Von dort führt ein kurzer Weg in die Rue du Repos, wo man sofort das Schild zum nächsten Friedhofseingang findet. Man folgt dem Pfeil nach links und nach wenigen Metern steht man vor dem offenen Eingangstor. Der Eingang ist zwar zusätzlich mit einem Schranken abgesichert, stellt jedoch für Fußgänger kein Hindernis dar. „Seltsam“, denke ich mir, als ich die Tafel, auf der die ganze Anlage samt Gräbern übersichtlich aufgezeichnet ist, näher betrachte und kein Mensch weit und breit zu sehen ist!? Anscheinend hab ich einen ruhigen Tag erwischt – was für ein Glück!

 

Chopin, Molière, Oscar Wilde, die Piaf, Yves Montand, um hier nur einige wenige Berühmtheiten zu nennen, haben sich auf diesem stimmungsvollen Ort zur letzten Ruhe betten lassen. Jim Morrisons Grab liegt in der 6. Abteilung, 2.Reihe, sagt uns die Tafel. Es ist das Grab Nr. 30.

 

Wir folgen der idyllischen, mit Laubbäumen gesäumten Allee hinauf, bis wir zum patinaüberzogenen Denkmal von Casimir Périer stoßen. Es ist schon sehr beeindruckend, all die Mausoleen und kunstvollen Grabsteine zu sehen. Dabei hat es eher den Anschein, man ist in einem skurrilen Freilichtmuseum der Skulpturen als auf einem Friedhof.

 

Die Sonne blinzelt durch einen Baum in der Alle und ich kann nicht umhin, in dieser Idylle ein Foto zu schießen.

 

Am Denkmal angekommen drehe ich mich um. Ein paar Besucher mit Übersichtsplänen in ihren Händen - diese bekommt man am Haupteingang - irren suchend umher und siehe da, es folgen uns 2 Friedhofswachen. Ich denke mir aber nichts Ungewöhnliches dabei. Ich lasse sie passieren und folge ihnen nach direkt zu Jims Grab, das sich unweit rechts des Denkmals von Casimir Périer befindet.

 

Ich bin erstaunt, obwohl ich es zuvor wusste, zu allererst zwei eiserne Absperrgitter mit zwei davor stehenden, blau-uniformierten Wachen zu erblicken und erst danach Jims Grab.

Ich sehe das rundherum von Eisengittern abgeschottete kleine Grab mit dem dubiosen, quaderförmigen Grabstein, den Jims Eltern Anfang der Neunziger Jahre hier aufstellen ließen – lange nachdem die berühmte Morrison-Büste zuerst verunstaltet und danach gestohlen wurde.

Die aufgrund der fortgeschrittenen Korrosion schon schwer leserliche, griechische Grabstein-Inschrift lautet: „KATA TON DAIMONA EAYTOY“, was grob übersetzt „Er schuf seine eigenen Dämonen“ bedeutet.

Mit gemischten Gefühlen lese ich diesen Satz, weil ich nur zu gerne gewusst hätte, was sich seine Eltern damals dabei gedacht hatten, als sie das erste mal dem eher hässlichen und simplen Grabstein, den sie selber in Auftrag gaben, hier gegenüber standen.

Ein paar frische Blumensträuße und -töpfe liegen auf dem Grabstein selbst und seinem staubigen Grund. Also war schon viel früher an diesem Tag jemand hier gewesen um Jims Grab zu schmücken und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Ich bin froh, wenigstens Blumen an seinem Grab zu sehen, denn ohne sie würde es noch trostloser erscheinen. Alle Blumen werden leider jeden Abend von der Friedhofsverwaltung entsorgt.

Die Vorderseite der steinernen Grabeinfassung wurde offenbar von unverbesserlichen Rowdies, die sich sicher Fans schimpfen, im Laufe der Zeit etwas verwüstet.

Mittlerweile steuern aus allen Richtungen kommend nun doch einige Leute auf Jims Grab zu. Da ich vorerst noch immer so gut wie alleine an Jims Grab bin, nütze ich die Gelegenheit, ein paar Bilder zu schießen, bevor ich kurz innehalten möchte.

Es ist schwer für mich in Worte zu fassen, was ich in diesem kurzen Moment der Stille empfand, denn es war unter anderem hauptsächlich ein Gefühl der Traurigkeit gepaart mit einer Spur aufkeimender Wut: dass uns einerseits Jim zu früh verlassen hat und andererseits wegen dieser ekelhaften Gitterabsperrungen, die einfach keine Nähe und Vertrautheit mehr zu seinem Grab und somit zu Jim selbst herstellen lassen. Alles nur wegen dieser über Jahre hinweg hirnlos wütenden Fans. Dieses abgesperrte, eingezäunte Grab spricht für mich persönlich Bände und die mich plötzlich überkommende Wut darüber reißt mich brutal aus meiner kurzen, stillen Andacht. Sogar noch nach deinem Tod sperrt man Dich, Jim - je nach Betrachtungsweise - ein oder aus, weil einige unverbesserliche Idioten Dich genauso wie zu Deinen Lebzeiten einfach nicht verstehen wollten. Ausgerechnet Dich, Jim Morrison, grenzt man auch noch über Deinen Tod hinweg aus. Dabei warst Du es doch, der es uns damals vorgelebt hat, wie man seine eigenen Fesseln sprengt, einen Weg vor Augen geführt hat, wie man aus seinem eigenen inneren Gefängnis ausbricht. Dass Du so früh gestorben bist, hat Dich auf eine ungewöhnliche Art und Weise unsterblich gemacht hat. Dein Grab ist eine Art Pilgerstätte für zigtausende Fans aus aller Welt geworden. Niemand, weder Du noch Deine aufrichtigen Fans, haben dieses skurrile Szenario an Deinem Grab verdient!

Dass man die Absperrmaßnahmen natürlich logischerweise treffen musste, um Jim Morrisons Grab vor weiterem Vandalismus zu schützen und ihn nicht noch mehr in seiner letzten Ruhe zu stören, leuchtet mir einerseits ein, anderseits macht mich die ernüchternde Tatsache, wie das Ganze hier abläuft, einfach betroffen. Das Grab sieht schon von weitem betrachtet schlichtweg erbärmlich aus. Das ganze Bild, wie es sich hier präsentiert, erscheint mir makaber und absurd: Jim sehnte sich sein Leben lang nach menschlicher Wärme und vor allem nach dem Gefühl des „Verstandenwerdens“, sowie es jeder sensible Künstler und jedes sensible Lebewesen auf diesem Planeten tut. Nun ist er tot, hier begraben in 4 Metern Tiefe und man lässt uns, die wir glauben, ihn in irgendeiner Weise doch verstanden zu haben und denen er noch über 30 Jahre nach seinem Tod hinaus mit seiner Musik und Poesie so viel Freude bereitet, nicht nah genug an ihn heran um ihn an unserem aufrichtigen Dank teilhaben zu lassen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, seine ganz persönlichen Gedanken und Emotionen so nah wie möglich am Grab auszuleben – freilich ohne Zerstörungswut und Vandalismus.

 

Neben mir steht ein junger Bursche Anfang Zwanzig, die Hände vorne verschränkt und sichtlich ergriffen, in sich gekehrt, während die Wachen neben ihm untereinander leisen Smalltalk halten. Ich drehe mich um und bin gerade im Begriff zu gehen, als mich anscheinend ein paar junge Doorsfans – genauer gesagt, zwei Burschen und ein Mädchen – als genau den erkennen, der ich bin – nämlich als den Leadsänger der Doors Experience. Als ich mich schon einige Meter von ihnen entfernt hatte, drehe ich mich noch mal zu ihnen um und genau in diesem Moment werde ich geknipst und höre klar und deutlich wie das Wort „Jason“ fällt. Ich lächle zurück und das junge Mädchen winkt mir freudestrahlend kurz zum Abschied zu.

 

Mittwoch, 28. September 2005 

Jim Morrison kam das erste Mal im Juni 1970 – genau ein Jahr vor seinem Tod – ohne Pamela Courson als Tourist nach Paris. Er stieg im Hotel Georges V. ab Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, auch dieser von Jims Spuren nachzugehen. Dass es eine eigene Métrostation mit dem Namen Georges V. gibt, vereinfachte die Suche erheblich. Kommt man von der Métrostation, überquert man die Champs Elysées und biegt in die Avenue Georges V. ein. Nach ca. 100 Metern (Hausnr. 31) sieht man bereits die imposante Fassade des Hotels, heute eine Nobelabsteige der Four Seasons-Kette.

 

Ein Jahr später, am 11. März 1971, stieg Jim erneut im Georges V. ab, Pamela war schon 2 Wochen früher angereist. Später zogen sie in ein Appartement im 4. Arrondissement  – im Haus Rue Beautreillis Nr. 17. Genaueres dazu folgt später.

 

Einer der Lieblingstreffpunkte von Jim und Pam war das „Café de Flore in Saint-Germain-des-Prés, nahe der gleichnamigen Métrostation (Boulevard  St.-Germain). Diese Café war damals ein sehr bekannter Treffpunkt für Literaten, Künstler und Intellektuelle. Heute versuchen hauptsächlich Touristen und Businessleute noch etwas vom längst verlorenen alten Charme zu erhaschen. Wer glaubt, hier echte Doors-Fans oder schon an der Optik erkennbare „Freigeister“ zu treffen, ist an der falschen Adresse. Im Übrigen sprechen die hohen Preise schon dagegen.

 

In unmittelbarer Nähe befindet sich das Restaurant Les Deux Magots“, in dem Jim des öfteren speiste und das angeblich bis heute von den restlichen Doors – sofern sie sich in Paris aufhalten – besucht wird.

Mit der Métro fahre ich weiter zur Place de la Bastille. Von diesem geschichtsträchtigen Platz kommt man über die Rue Saint Antoine in knappen 10 Minuten in die Rue Beautreillis (5. Querstraße links von der Rue Saint Antoine).

 

Jim musste also um zu seinem Lieblingsplatz, der „Place des Vosges“, zu gelangen nur wenige Minuten gehen. Dieser Platz ist ringsum von Häusern mit ziegelroten Fassaden eingefasst.

In der Mitte befindet sich eine gepflegte Parkanlage mit Brunnen und vielen Bänken zum Relaxen. In diesem Park entstanden einige von Jims Gedichten (Wilderness, The American Night).


Und hier findet man – im Gegensatz zum Café de Flore – bis heute eine gemütliche, entspannte Atmosphäre vor.

Zurück in der Rue Beautreillis 17 fotografiere ich das Haus, in dessen 3. Stock Jim Morrison am Morgen des 3. Juli 1971 von seiner Freundin Pam tot aufgefunden wurde. Der zu Hilfe gerufene Arzt attestierte als Todesursache Herzversagen. Die mysteriösen Umstände seines Todes und zahlreichen Spekulationen möchte ich hier bewusst nicht erwähnen. Sie sind ohnehin zur Genüge publiziert und diskutiert worden (Genaueres dazu findet sich in dem schon eingangs erwähnten Jim Morrison Complete Paris Guide von Rainer Moddemann.)
Heute erinnert nichts, gar nichts mehr an diesem Ort an seinen berühmten Bewohner. Einziger Hinweis auf die jetzigen Benutzer ist das Hinweisschild zu einer kinesiologischen Praxis.

 

Jims Freundin Pamela hat seinen Tod nicht verwunden und folgte ihm nur 3 Jahre später – im April 1974 – in Folge einer Überdosis Heroin nach.

Dass Jim als Musiker in unseren Herzen weiterlebt, wissen wir.
Umso mehr hat es mich gefreut, dass es nahe der wichtigsten Stätte des Denkens in Paris – bei der Universität Sorbonne – auch eine Referenz auf den Poeten Jim Morrison gab.

 

Ein Plakat wies unter dem Titel

 

Je suis un homme de mots.

Jim Morrison

 

(„Ich bin ein Mann der Worte.“)

auf ein Theaterstück mit Originaltexten von Jim Morrison hin.

 

Gerne wäre ich noch einige Zeit weiter auf Jim Morrisons Spuren durch Paris gewandert. Doch nachdem ich nur zweieinhalb Tage zur Verfügung hatte, wollten wir auch andere Paris-Highlights, wie zum Beispiel Notre Dame, die Champs Elysées mit dem Triumphbogen, Montmarte und last but not least den Eiffelturm sehen. Übrigens – so abgedroschen das auch klingen mag: Paris muss man einmal in seinem Leben von der 274 Meter hohen Plattform des Eiffelturms gesehen haben.

Habe ich in dieser kurzen Zeit, in der ich Jims Lebensgefühl in Paris aufspüren wollte, nun etwas für meine Rolle als Jim Morrison-Interpret mitnehmen können? Habe ich Antworten auf meine Fragen gefunden?

Für mich persönlich heißt die Antwort „Ja“. Einiges erscheint mir jetzt viel klarer. Allerdings – in vielen Situationen spürte ich, dass die Aufbruchstimmung und der enorme Freiheitsdrang von Jims Ära der späten 60er- und beginnenden 70er-Jahre nur mehr mit viel Phantasie und Feingespür zu erahnen ist. Nur wenige Plätze haben ihren berühmten Charme behalten, das meiste wurde längst vom Massentourismus und der Konsumgier weggeschwemmt. Dennoch bin ich mir sicher: Paris und Jims Grab haben mich nicht zum letzten Mal gesehen...

© Jason Boiler 2005